Niemand schneidet ein Stück Stoff aus einem neuen Kleid und flickt damit ein altes; sonst ist das neue Kleid zerschnitten, und zu dem alten passt das herausgeschnittene Stück ja gar nicht. (Lukas 5,36 NGÜ)
Wenn wir den Zweck einer christlichen Gewohnheit herausfinden wollen, um zu sehen, ob sie berechtigt ist oder nicht, müssen wir die Frage „Warum?“ stellen. „Wir haben es früher immer so gemacht“, ist keine befriedigende Antwort. Christliche Gewohnheiten werden oft jahrelang gepflegt und überleben oft ihren ursprünglichen Zweck, bis jemand die Frage stellt: „Warum tun wir das überhaupt?“ Diese Frage ruft typischerweise eine abwehrende Haltung hervor, da die Gefragten sich in ihrem Glauben angegriffen fühlen.
Es ist zum Beispiel eine gängige Praxis in evangelikalen Gemeinden, pro Woche drei Gottesdienste abzuhalten, aber nur wenige wissen warum. Früher diente der Sonntagmorgen zur Lehre und Anbetung, Sonntagabend war für Evangelisation reserviert und der Mittwoch-Gottesdienst für das Gebet.
Heute gibt es nur noch wenige Gemeinden, in denen drei Gottesdienste mit genau dieser Aufteilung stattfinden. In vielen Gemeinden wurde der evangelistische Gottesdienst auf den Sonntagmorgen verschoben, wenn es überhaupt einen solchen gibt. Die Sonntagabende werden für allerlei gemeinschaftliche Zusammenkünfte genutzt oder für eine informelle Wiederholung der Predigt vom Vormittag. Mittwochs findet in vielen Gemeinden schon seit Jahren kein Gebetstreffen mehr statt.
Wenige können erklären, warum sie einen Hauskreis haben und in den meisten Fällen wird deshalb bei diesen Anlässen auch der eigentliche Zweck verfehlt, dem sie ursprünglich dienen sollten. Eine klare Zielrichtung fehlt. Und deshalb geht es bei der Planung nur noch um das Bestimmen des Leiters und um die Frage, wie das Programm für den nächsten Monat aussehen soll.
Der Zweck dieser Zusammenkünfte liegt doch darin, dass man neue Menschen in die Gemeinde mit hineinnimmt, sich um diejenigen kümmert, die auf Abwegen sind und gegenseitige Bedürfnisse erfüllt. Aktivitäten, die aus Gewohnheit und ohne Ziel durchgeführt werden, führen zu gedankenloser Teilnahme. Wie soll Gott eine solche Gruppe führen?
Die grösste Chance, eine nützliche Änderung herbeizuführen, besteht darin, dass wir den Zweck jeder Gemeinde- veranstaltung klären. Ich sass mit den Leitern eines Hauskreises zusammen und half ihnen, eine Absichtserklärung zu formulieren. Grosse Veränderungen haben mittlerweile in dieser Gruppe stattgefunden. Innerhalb von zwei Jahren wurde die Gruppe doppelt so gross.
Die Frage „Warum?“ hatte sie gezwungen, Zweck und Ziel ihrer Aktivität zu bestimmen und die notwendigen Änderungen wurden durchgeführt.
“Herr, ich will weder Zeit noch Mühe verschwenden, um Traditionen aufrechtzuerhalten, die ausgedient haben.”
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